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BTHG gemeinsam in die Praxis umsetzen

"Stellen Sie sich einmal vor, eine Lampe funktioniert nicht mehr und Sie beauftragen einen Elektriker mit der Reparatur. Wann bezahlen Sie ihn dann für seine Arbeit?" Sarah Dieckbreder-Vedder, Bereichsleiterin der Psychosozialen Rehabilitation am Ludwig-Steil-Hof (LSH), steht in der Tagesstruktur vor der Flip-Chart vor ein schwierigen Aufgabe: Sie will die Neuregelungen des Bundesteilhabegesetztes (BTHG) möglichst verständlich für alle erklären, die an der Umsetzung dieser Regelungen beteiligt sind, nämlich neben den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auch die Klienten selbst.

Das BTHG sei ein umfassendes Gesetzespaket, das in vier zeitversetzten Reformstufen bis 2023 in Kraft tritt und das für Menschen mit Behinderungen viele Verbesserungen vorsieht. Mit dem BTHG wurden mehr Möglichkeiten der Teilhabe und mehr Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen geschaffen, erläutert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf seiner Webseite.

Schnell sind die Versammelten sich einig: Der Elektriker bekommt sein Geld natürlich erst im Anschluss der Reparatur, wenn die Lampe wieder brennt. "Sehen Sie, so ähnlich ist auch die Denkweise im neuen BTHG", stimmt Dieckbreder-Vedder ihnen zu. Bisher sei es eher so gewesen, dass etwa der Landschaftsverband für jeden Klienten monatlich einen festen Betrag überwiesen habe, der dann nach einem bestimmen, allgemeinen Schlüssel auf den Einzelnen und auf die Einzelne verteilt worden sei. Jetzt wird das stärker differenziert  und es werden die Leistungen bezahlt, die jeweils an einer Person zuzuordnen sind. Dazu ist es künftig erforderlich, dass jeder Klinent aber auch die Leistungserbringende Organisation, wie etwa der LSH, künftig über die sogenannte Fachleistungsstunde abrechne. Draus ergibt sich eine noch differenziertere Planung  der Unterstützungsleistungen als es bisher der Fall war. Die Leistungen, die nach den Wünschen und Willen der Klienten ermittelt erbracht werden, werden auch bezahlt. Dadurch wird der Fokus deutlich mehr auf die Personenzentrierung gelegt als im bisherigen System. Die Selbst- und Mitbestimmung des Klients wird durch diesen Ansatz erheblich gestärkt.

Doch der Teufel liegt im Detail. Beispiel: Verschiedene Klienten benötigen Hilfe beim Einkaufen. Einige möchten lieber alleine, andere lieber zusammen mit  anderen Einkaufen. Wie werden die Kosten für die Inanspruchnahme einer Mitarbeiterin abzurechen?  Jeder rechnet seinen Anteil ab; bei einer Gruppe von drei Personen rechnet jede pro Stunde ein Drittel, also 20 Minuten ab - Neuerungen, die so manches Nach- und Umdenken erfordern.

Dieckbreder-Vedder beantwortet alle Fragen geduldig und anschaulich. Im Publikum zeigen sie nachdenkliche, aber auch zufriedene Gesichter, doch nach einer Stunden rauchen die Köpfe. Wie gut, dass anschließende ein gemeinsames Grillen ansteht, bei dem man neben anderem auch noch etwas Grübeln oder das neue Erlernte mit anderen diskutieren kann.

Bild: Bild von Andrys Stienstra auf Pixabay

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